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Do’s & Dont’s in der Klausur

Jun 30, 2023Prüfungshandwerk

Aus dem Nähkästchen einer ehemaligen Korrektorin geplaudert

Am wichtigsten ist eine korrekte Lösung, na klar! ABER diese wirst du auch so präsentieren wollen, dass sich die Korrektur möglichst angenehm gestaltet.

Achte auf das äußere Bild, du brauchst keine kalligraphische Glanzleistung abzuliefern, aber lesbar sollte deine Schrift sein.

Achte auch darauf, dass deine Arbeit nicht unordentlich und unstrukturiert wirkt, weil übermäßig viele Passagen durchgestrichen sind und du lauter Sternchen mit Verweisen verwendest.

Auf die Frage, ob du unbedingt alles anreißen solltest oder nicht, gibt es keine eindeutige Antwort. Welche Faktoren hier zu berücksichtigen sind, hörst du in der Podcastfolge.

Ausführliche Beschreibung (aufklappen!)

Am wichtigsten ist eine korrekte Lösung, na klar! ABER diese wirst du auch so präsentieren wollen, dass sich die Korrektur möglichst angenehm gestaltet.

Achte auf das äußere Bild, du brauchst keine kalligraphische Glanzleistung abzuliefern, aber lesbar sollte deine Schrift sein.

Achte auch darauf, dass deine Arbeit nicht unordentlich und unstrukturiert wirkt, weil übermäßig viele Passagen durchgestrichen sind und du lauter Sternchen mit Verweisen verwendest.

Auf die Frage, ob du unbedingt alles anreißen solltest oder nicht, gibt es keine eindeutige Antwort. Welche Faktoren hier zu berücksichtigen sind, hörst du in der Podcastfolge.

Transkript

Bitte beachte, dass dieses Transkript maschinell erstellt wurde.

Jura Meistern, der Podcast, Episode 143.

Einen wunderschönen guten Morgen. Heute möchte ich sprechen über Do’s und Don’ts in den Klausuren.

Und zwar sowohl in Examensklausuren als auch in Leistungskontrollklausuren oder auch den Klausuren jeweils in den Übungen. Aber hauptsächlich aufgemacht an dem Beispiel der Examensklausuren, weil diese am wichtigsten sind im Prinzip und weil die Erkenntnisse hierzu durchaus auch anwendbar sind auf die kleineren Klausuren. Okay, aus der Sicht einer ehemaligen Korrektorin, was ist das Schlimmste erst einmal?

Das Schlimmste als zeitlich erstes Gefühl für eine Prüferin oder einen Prüfer ist, wenn man die Klausur kaum entziffern kann. Das ist ein riesiges Problem. Nicht jeder hat gute Augen.

Auch diejenigen, die gute Augen haben, können unter Umständen eine Sauklaue kaum entziffern. Natürlich wird nicht dein Schriftbild korrigiert. Darum geht es nicht.

Ich sage aber immer, dass jede Korrektur auch eine Art von Kennenlernen ist. Und auch da sind die ersten Sekunden prägend. Nicht unter Umständen, nicht zwingend entscheidend, dass die irreversibel sind, aber sie sind prägend.

Es wird der Anker gesetzt. Und wenn der psychologische Anker, der gesetzt wird, wenn ich deine Klausur sehe, bei mir ist, oh Gott, unangenehm, dann ist es etwas, was durchaus subtil und ohne dass ich es will, auch beeinflussen kann, meine Bewertung deiner Arbeit. Es ist wissenschaftlich anerkannt, dass zum Beispiel RichterInnen im Strafrecht kurz vor der Mittagspause schärfere Strafen aushängen.

Warum? Die haben einfach nur Hunger. Wenn ein Mensch Hunger hat, dann fühlt er sich unwohl, unter Umständen sogar leicht gereizt.

Wenn sich jemand leicht gereizt fühlt, dann ist die Toleranzschwelle oft auch eine geringere, auch dann, wenn man eben sich hundertmal gesagt hat, nein, ich lasse mich davon nicht beeinflussen. Mit anderen Worten, achte durchaus auf deine Schrift. Ja, ich weiß, es ist nicht einfach.

Ja, ich weiß, dass je länger man schreibt, desto mehr aus der ursprünglichen Schrift eine Sauklaue wird, weil einfach man auch ermüdet, beziehungsweise man wird immer gestresster und versucht immer krampfhafter zu schreiben. Deswegen auch der sehr hohe Anteil an Sehnenscheidenentzündungen, Krapalsyndromen oder wie das sonst alles genannt wird in den fünfstündigen Examensklausuren. Die gute Nachricht ist, dass prägend ja die ersten Sekunden sind und das sind die ersten Seiten.

Das heißt, es lohnt sich durchaus, wenn du anfangs eine bessere Schrift auch hast als später. Noch einmal, wie gesagt, wenn du partout nicht gut leserlich schreiben kannst, mach bitte jetzt, schieb keine Panik, daran wird es nicht scheitern. Wir reden über feine Schräubchen, die durchaus mal eine Tendenz beeinflussen können, aber eben nie allein ausschlaggebend und prägend sind.

Das heißt, wenn du daran arbeiten kannst, dann tu es, wenn nicht, dann ist es halt so und dann müssen auch die KorrektorInnen durch und das werden sie auch tun. Und wenn du eine gute Arbeit hast und lediglich eine Sauklaue, dann wird das auch jetzt nicht zu deinem Verhängnis werden. Das ist schon ganz wichtig, dass du das, was ich hier sage, richtig einordnest.

Schauen wir mal, was aus dieser Justizausbildungsreform wird. Es ist ja einer der Vorschläge, dass das E-Examen mit Rechnern, die bereitgestellt werden von den Prüfungsämtern, irgendwann eventuell in ganz Deutschland auch Realität wird. Aber ich sehe das nicht, dass das so schnell kommt, wenn ich ehrlich sein will.

Okay, also das eine ist eben ein halbwegs leserliches Schriftbild. Ich brauche keine Kalligrafie, ich brauche nicht einmal eine hübsche Schrift. Ich würde nur bitte gern lesen können, ohne Kopfschmerzen zu kriegen.

Insbesondere, wenn du eine sehr, sehr kleine Schrift hast, am besten auch eine schräg gestellte, dann lohnt es sich, ein bisschen das zu trainieren. Wenn es nicht geht, dann verschwende bitte keine Energien darauf. Also, wie gesagt, zum wiederholten Male, denn das ist mir sehr, sehr, sehr wichtig.

Ich möchte hier auf keinen Fall irgendeinen Alarmismus verbreiten. Das ist nicht mein Stil und es wäre auch nicht korrekt. Also, das erste Du ist eine lesbare Schrift, das korrespondierende Don’t ist eine Sauklaue, die wirklich kaum lesbar ist.

Übrigens, kleine Anekdote. Früher, als ich noch aktiv im Dienst war, hat mir ein Kollege berichtet, dass er mal einen Fall hatte, wo er derart nicht lesen konnte, dass er dem Prüfungsamt die Arbeit gegeben hat und gesagt hat, wenn das jemand lesen kann, dann soll er oder sie es mir transkribieren, sonst kann ich es nicht korrigieren. Mir selbst ist das bisher noch nie passiert, aber ich habe öfter wirklich Klausuren gekriegt, wo ich das nackte Grauen selber gefühlt habe, als ich drauf geschaut habe.

Zum Glück fuchst man sich dann nach ein paar Seiten selber rein, insofern, wie gesagt, chill, aber wenn du ein bisschen was dran machen kannst, dann tue es. Worauf du auf jeden Fall achten kannst, ist, bitte gib keinen Saustall ab und jetzt meine ich nicht eine Sauklaue, sondern einen Saustall. Wie sieht ein Saustall als Klausur aus?

Ständig Sachen durchgestrichen, am besten auch noch Sternchen, wo mich die Prüflinge dann in einer Klausur viermal hin und her korrigieren. Auf Seite zwei ist ein Sternchen, gucke bitte auf Seite fünf und auf Seite drei ist ein Sternchen, bitte gucke auf Seite was auch immer. Das gilt es zu vermeiden.

Auch da bitte gesunden Menschenverstand walten lassen, keinen Alarmismus. Natürlich weiß jeder, dass mal etwas durchzustreichen sein wird, insbesondere, da du ja eben nicht auf einem Computer schreibst, wo du dann etwas löschen kannst. Das lässt sich nicht vermeiden, aber ich spreche aus Erfahrung und ich kann dir sagen, es gibt immer wieder wirklich Klausuren, die wirklich zum Aufregen sind.

Und auch hier, jeder Korrektor, jede Korrektorin ist in dem Sinne Profi, man wird nicht deswegen jemanden durchfallen lassen oder nicht, aber du hast ein Interesse daran, den Prüflingen, den Prüfenden, den KorrektorInnen das Leben so leicht wie möglich zu machen. Das ist in deinem Interesse. Und da macht es wirklich keinen schlanken Fuß, denn es ist auch etwas, das durchaus auch einen nicht wirklich strukturierten Gedankengang dann so ein bisschen aufzeigt.

Wenn einem auf Seite 3 etwas einfällt, was man dann auf Seite 5 und auf Seite 6, dann wird man sogar zurück auf Seite 4 dann geschickt, dann zeigt das nicht unbedingt eine durchdachte und strukturierte Prüfung. Was hilft hier? Hier helfen folgende Maßnahmen, je nachdem, wie du schreiben musst in deinem Bundesland.

Wenn das separate Blätter sind, kannst du immer wieder ein neues Blatt aufmachen, so dass du die Möglichkeit hast, gerade in Bereichen, wo du noch unsicher warst, später etwas korrigieren und einen Teil neu zu schreiben und dann aber auf der nächsten Seite geht das garantiert sauber weiter. Das geht nicht, wenn wie eine Art Heft dir gegeben wird, weil du dann ja nichts rausreißen kannst. Aber da in beiden Fällen ist es hilfreich, eine Struktur, eine Prüfungsstruktur, sich auf den Anmerkungsblättern, den eigenen, den Notizenblättern gemacht zu haben.

Und wie gesagt, noch einmal, ich kann es nicht oft genug sagen, bitte jetzt keine Panik machen, wenn du einmal jetzt was durchgestrichen hast oder einmal ein Sternchen gemacht hast. Nach Möglichkeit sollte es nur nicht überhand nehmen. Es sind Dinge, die sind nicht tragisch, wenn sie passieren, wenn du aber noch in der Vorbereitung bist, wo du noch sie beeinflussen kannst, dann lohnt es sich durchaus auch darauf ein bisschen zu trainieren.

Das sind die zwei ganz wichtigen Dinge, die mir auf Anhieb einfallen. Eine andere Frage, die oft angerissen wird und womit ich oft gefragt werde, ist vollständige oder nicht vollständige Prüfung. Und das ist natürlich ein bisschen schwierig in absoluter Form zu beantworten.

Es ist immer besser natürlich, die ganze Lösung zu haben. Was aber, wenn du es nicht vernünftig hinkriegst? Und auch nicht so, dass du sagst, ich werde mal etwas dann knapper fassen, als ich es sonst getan hätte.

Wenn du dich nämlich verstrickst, nur um alles mal angerissen zu haben und dann kommt irgendwie konfuses Zeug raus, dann hättest du vielleicht mal besser was ausgelassen. Dann wäre nämlich, und das gilt erst recht für Meinungsstreitigkeiten, soll ich sie alle bringen, wie breit soll ich sie treten? Und viele sagen, du sollst jedes Problem behandeln.

Ich sage, das kann auch manchmal gepflegt nach hinten losgehen. Was meine ich damit? Ich sage dir mal zwei Korrekturanmerkungen und du entscheidest selber, welche wohl tendenziell mehr Minuspunkte jetzt erzeugen würde.

Eine Korrekturanmerkung, Problem gesehen, aber etwas zu knapp behandelt. Andere Korrekturanmerkung, ausufernde, widersprüchliche und in sich nicht geschlossene Ausführungen. Was denkst du denn, was schlimmer ist?

Insbesondere, wenn Personen wie ich korrigiere, dann wird es ganz sicherlich schlimmer sein, wenn du inkonsequent bist und die meisten korrigieren wie ich. Es gibt wenige, es gibt einige, aber wenige sind so Hauptsache gesehen und abgehakt. Es gibt natürlich den Mittelweg, den ich hier schon angeteasert habe.

Wenn du ein Problem siehst, aber ganz genau weißt, du kannst es nicht gut ausführlich besprechen, dann sprich es an, aber knapp, meinetwegen auch etwas zu knapp. Damit eben neben deiner Arbeit dann der Stelle dann steht, gesehen, aber zu knapp behandelt. Besser als, wie gesagt, konfuses Zeug, widersprüchliches Zeug.

Und das gilt auch für die Frage, alle, die ganze Lösung ja oder nein. Natürlich ist es ganz schlecht, wenn du merkst, ein ganz großer Teil, den wirst du dann auslassen, einen wichtigen Teil. Das ist sicherlich nicht gut.

Wenn allerdings zum Beispiel in einer schadensrechtlichen Klausur, die auf einen Schadensersatzanspruch hinausläuft, lediglich der letzte Punkt des, wie viel denn jetzt und ob normativ korrigiert wird oder nicht, wenn nur der fehlt, ist das sicherlich weniger schlimm, als wenn du zum Beispiel in einer Klausur, wo es offensichtlich sowohl auf einen Widerruf als Verbrauchergeschäft ankommt, als auch auf eine Rücktrittsmöglichkeit, du die Rücktrittsmöglichkeit gar nicht behandelst. Du merkst also, auch hier, es kommt darauf an und nicht nur Übung macht die Meisterin und den Meister, sondern die meisten Fragen beantwortet dir der gesunde Menschenverstand und den hast du eingebaut. Zum Teil hast du verlernt, auf ihn zu hören, aber du hast den in dir.

Insofern überlege mal und überlege vielleicht mal auch aus der Sicht, wenn du korrigieren würdest, was hättest du denn lieber in dieser konkreten Situation und meistens wirst du dann die vernünftige Lösung finden, die sehr oft eine vermittelnde ist eben und auf jeden Fall bleibe ich dabei, besser etwas zu knapp zu behandeln oder auch zu apodiktisch, als die Ausführungen so zu halten, dass man letztlich das Problem massakriert. Es gibt nichts Schlimmeres als widersprüchliche und nicht nachvollziehbare Ausführungen, als eine nicht stringente Argumentationsführung. Warum ist das am schlimmsten?

Weil das ja das Kernwerk der JuristInnen ist, zu überzeugen und wenn deine Ausführungen konfus und nicht nachvollziehbar sind, dann beherrschst du das Grundhandwerk nicht und das wiegt schwerer, als wenn du eine konkrete Meinung gar nicht oder zu knapp behandelst. Okay, das sind jetzt die allerwichtigsten Dinge, die mir einfallen und ich glaube, ich belasse es dabei, wenn mir noch in Zukunft andere einfallen, kann ich ja noch einmal eine Sonderfolge machen. Wenn dir etwas einfällt oder du auch eine Frage hast, ob und wie man sich da verhält in einer Klausur, dann schreib mir das doch und dann kann ich das gegebenenfalls zum Anlass nehmen, noch einmal eine gesonderte Folge zu machen, in der ich Bezug nehme auf deine Fragen.

Okidoki, also denk mal darüber nach, mach allerdings jetzt keine Panik, sondern denk einfach darüber nach. Alles, was ich gesagt habe, ist letztlich gesunder Menschenverstand und eine gewisse Empathie auch für die KorrektorInnen und natürlich ist das nicht etwas, was du denen schuldest in dem Sinne, das ist ihr Job zu korrigieren, aber es ist in deinem wohlverstandenen Interesse, dass du einen guten Eindruck machst und der Eindruck ist eben auch geprägt von den Dingen, die ich dir gerade berichtet habe. Okidoki, danke fürs Zuhören und bis nächste Woche.

Du hast Panajota Lakkis zugehört, der Gründerin und Inhaberin von Jurameistern, dem innovativen Jurarepetitorium.

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