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Der richtige Zeitpunkt, um ins Jura-Examen zu gehen

Nov 24, 2023Prüfungshandwerk

Wann ist der „richtige“ Zeitpunkt, um sich fürs Examen anzumelden?

Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht, das schon einmal vorab.

Aber es gibt durchaus einige Mechanismen, die du kennen solltest und die dir helfen werden, einen „guten“ Zeitpunkt zu finden, um dich anzumelden.

Image by No-longer-here from Pixabay

Transkript

Bitte beachte, dass dieses Transkript maschinell erstellt wurde.

Jura Meistern, der Podcast, Episode 160.

Einen wunderschönen guten Morgen. Heute will ich mal die Frage aller Fragen ansprechen. Und zwar, wann ist denn der richtige Zeitpunkt, um ins Examen zu gehen?

Den Freischuss lasse ich in dieser Episode außen vor. Der späteste Punkt, wo das möglich ist, ist ja bekannt. Aber man muss den Freischuss ja nicht in Anspruch nehmen. Natürlich kann er eine Art Initialmotivation geben und später hält man sich dran.

Aber ich will in dieser Episode ansprechen, außerhalb des Freischusses, die Entscheidung, wann denn es zur ersten scharfen Runde im Staatsexamen gehen soll. Und vorab kann ich dir sagen, dass es bei den meisten nie den Zeitpunkt geben wird, zu dem man denkt, jo, jetzt ist perfekt, das ist der beste Zeitpunkt, das mache ich jetzt, jetzt ist es richtig. Warum ist das so? Denn Jura ist unendlich.

Die Möglichkeiten des Mix & Match sind schier unendlich. Nicht einmal wenn man Jahrzehnte im Beruf drin ist, kann man sagen, dass man wirklich gewappnet ist für alle Fragen und für alle möglichen Klausurkonstellationen. Und gleichzeitig gilt aber, dass es nicht weggeht, dieser beschriebene Zustand, wenn du einfach nur später ins Examen reingehst. Und damit hast du eine riesengroße Herausforderung zu meistern.

Du weißt, du wirst dich nie zu 100% bereit fühlen und gleichzeitig weißt du auch, das wird nie der Fall sein, ergo willst du irgendwann trotzdem einen Cut-Off machen und sagen, ich gehe rein jetzt, auch wenn ich nicht zu 100% das Gefühl habe, dass das der richtige Zeitpunkt ist. Und hier ist eine Herausforderung dann natürlich eingebaut, denn du willst natürlich auch nicht ins Gegenteil dann umschwenken und überhaupt nicht reflektiert, sondern einfach irgendwann mal dich anmelden. Das kann es ja auch nicht sein. Das heißt, es ist so ein sweet spot, den es zu finden gilt, wann es doch ein guter Zeitpunkt ist, auch wenn es sich nicht als der beste anfühlen sollte.

Okay, wie findet man den? Den findet man am besten, wenn man sich bewusst macht, warum es nicht besser wird, wenn man einfach nur länger lernt. Es gibt dafür folgende Gründe. Zum einen der mentale Grund, dass hältst du diese Anspannung unter Umständen nicht aus und insbesondere wenn du immer wieder verlängerst, weil du ängstlich bist, weil du Angst vor der, in Anführungsstrichen, Konfrontation mit der Prüfung hast, wenn das dein Beweggrund ist, dann wird diese Angst immer größer werden.

Es ist bekannt, dass das Hinausschieben aus Angst einer Konfrontation die Angst nur vergrößert. Das, was man sagte mit dem Hansaplast, besser direkte und auf einmal rausreißen als langsam und vor allen Dingen sich damit befassen, wie es sich anfühlen wird, wenn man es dann später abreißt, das gilt für alle Bereiche. Das gilt auch für die Konfrontation mit dem Examen. Und das ist eine Angstsituation für alle.

Das ist auch kein Problem. Das beflügelt ja auch dazu Respekt zu haben. Ohne Angst unter Umständen auch kein Bewusstsein dafür, dass es durchaus auch eine Situation ist, die insofern gefährlich ist, als dass man durchaus auch mit schlechter Leistung und schlechten Ergebnissen daraus gehen kann. Also Angst als solche ist kein Problem, aber lähmende Angst, und wenn sie der Beweggrund ist, dass du dich später anmeldest, das ist ein Problem insofern, als du dadurch nicht nur verzögern wirst, diese Konfrontation mit der Angst, sondern die Angst wird, wenn du sie irgendwann dann konfrontierst, auch größer sein.

Also als erstes, was ist denn dein Beweggrund? Ist dein Beweggrund eine lähmende Angst? Dann ist es auf jeden Fall stärker zu hinterfragen, ob du klug handelst, wenn du hinausschiebst. Zweiter Punkt, auch wenn es nicht die lähmende Angst ist, sondern die Einstellung, ich möchte noch besser vorbereitet reingehen, die zwei gehen oft auch Hand in Hand, aber isolieren wir das mal, dass man sagt, wirklich Angst habe ich nicht, aber ich will maximal gut vorbereitet reingehen.

Und auch da gibt es einen Punkt, ab dem es kippt. Und das ist der Punkt, wenn du so lange schon lernst und übst, dass die Basics schon anfangen zu verblassen. Und das ist beim Lernen zwangsläufig irgendwann der Fall, dass mit dem Zeitablauf auch Dinge verblassen, außer man wiederholt sie ständig, natürlich mit immer größeren Abständen, aber eine Wiederholung, ein Wiedereindrillen ist durchaus erforderlich. Und ja, je mehr du verstanden hast, desto mehr weniger brauchst du zu wiederholen.

Allerdings ist es so, dass selbst das Verstehen zum Teil verblassen kann, wenn du es nicht anwendest, wenn du nicht damit arbeitest, und dann musst du später, Moment, da war eine Logik dahinter, aber Moment, wie war das denn noch? Und ja, das kannst du sehr viel leichter aktivieren als das einfache Lernen, aber auch das muss gepflegt sein und dann aktiviert werden. Wenn du also längere Zeit verstreichen lässt, dann werden die Dinge, die du ursprünglich gelernt oder verstanden hast, irgendwann verblassen. Und da du anfangst, typischerweise eher die Basics dir anschaust und später immer mehr Sonderkonstellationen, kann ein absolut kontraintentionaler Zustand irgendwann kommen, wo gerade das verblasst, was am wichtigsten ist, nämlich die Basics.

Und damit zeigt sich aus zwei verschiedenen Perspektiven, aus dem mentalen und aus der rein lerntechnischen, dass es nicht klug ist, zu lange zu lernen und auch zu üben. Und einer der besten, und jetzt theoretisch ergibt sich daraus, welches auch dann der beste Zeitpunkt ist. Das ist der Zeitpunkt, lassen wir mal den Angstfaktor außen vor, weil der noch einmal eine eigene Komponente ist, aber lern- und übungstechnisch ist der beste Zeitpunkt derjenige, wo du die Basics alle verstanden hast und auch teilweise Sonderkonstellationen angefangen hast, dir anzuschauen, aber wo die Basics noch sitzen und wo du nicht reingegangen bist und dein Augenmerk darin hast, die zehnte Theorie zum Fünf-Personen-Verhältnis dir anzuschauen. Und das ist ein guter Zeitpunkt.

Warum? Weil erstens sonst verblassen würden die Basics und weil sowieso die Wahrscheinlichkeit, dass diese Sonderkonstellationen, die zunehmend abstrusend kommen, dass du genau die gelernt hast, die kommen wird, so formuliert, die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich gering, also kannst du dir sagen, dass es sich nicht lohnt, alle möglichen Konstellationen antizipiert lernen zu wollen. Umgekehrt, wenn du gelernt hast, mit Konstellationen, die du nicht so gelernt hast, umzugehen und dazu brauchst du die Basics, dann hast du ein ziemlich gutes Gefühl, dass du dir denkst, ich kann mindestens eine vertretbare Lösung, auch in Bereichen, die ich nicht gelernt habe, mir selber erdenken und maximal kenne ich dann nicht noch zwei zusätzliche oder drei Meinungen, deswegen wirst du aber nicht durchfallen. Lerntechnisch also ein guter Zeitpunkt, wenn du verstanden hast, worum es geht und auch wie die Dinge zusammenhängen und wenn du geübt darin bist, damit zu jonglieren und auch in Üben mehrere Klausuren bereits geschrieben hast, ohne Hilfsmittel, mit Ausnahme derjenigen, die du auch im Examen mitnehmen darfst und wenn du dich halbwegs souverän fühlst darin.

Nicht wichtig ist dagegen, wie viele Einzelmeinungen du drauf hast. Das ist ein sehr guter Zeitpunkt. Selten wird dieser Zeitpunkt später als ein Jahr liegen, nachdem du angefangen hast sinnvoll zu lernen. Das bedeutet nicht, dass du immer ein Jahr nach dem Beginn der Examensvorbereitung zwingend reingehen solltest ins Examen, denn sehr oft ist es ja so, dass man eine Zeit lang nicht richtig und optimal gelernt hat und dass man das dann später erkennt und neu ansetzt.

Dann wird dieser Zeitpunkt ab dann halt laufen. Dieses eine Jahr ist aber aus meiner Sicht ein Zeitraum, der schon sehr großzügig ist, wenn man im Studium schon optimal gelernt hat, kann man durchaus mit sehr viel weniger auch reingehen, aber und zusätzlich muss ich dazu noch sagen, dass nicht nur viele im Studium nicht optimal gelernt und nachbereitet haben, aber es gibt natürlich auch unterschiedliche, nicht nur Lerntypen nach dem Motto wie lerne ich, sondern auch wie viel Zeit brauche ich und ab wann ist es dann dieser Zeitpunkt erreicht. Wie so oft im Jura und nicht nur im Jura, auch im Leben heißt es auch hier, es kommt auf den Einzelfall an. Aber einen guten Maßstab habe ich dir geliefert.

Natürlich als Generalklausel hast du verstanden, worum es geht, hast du die Zusammenhänge im Großen und Ganzen verstanden, fühlst du dich souverän, nicht 100 Prozent, aber überwiegend souverän, wenn du Klausuren löst, bist du in der Lage, auch in Konstellationen, die du als solche nicht gelernt hast, halbwegs vernünftig eine Lösung, aufzuschreiben und dazu ist natürlich das Üben sehr wichtig, noch wichtiger als das Lernen. Ich erinnere an die Podcast-Folge, die meisten Studierenden lernen zu viel und üben zu wenig. Okay, das ist also der Zeitpunkt. Natürlich ist mir bewusst, das klingt alles sehr viel einfacher als es ist, denn was heißt denn hier halbwegs souverän?

Was heißt denn hier die Zusammenhänge verstehen? Da kann dir niemand diese Erkenntnis und Entscheidung abnehmen. Das ist wirklich ein Punkt, den du selber dann erkennen wirst, das ist dann diese Verantwortung, die du dann selber übernimmst und ja, 100 Prozent sicher wirst du dir nie sein. Aber da das sowieso nicht machbar ist, ist es nicht sinnvoll zu warten, bis du 100 Prozent sicher sein solltest, denn du wirst es nie sein, so einfach ist das.

Und wenn man zu lange wartet, dann wird man einfach natürlich irgendwann auch reingehen, aber mit einer ganz erschwerten Ausgangslage, nämlich dass jetzt irgendwann mal wirklich es nicht weiter geht und man nur noch rein will, weil man es nicht mehr aushält und so weiter und so fort und dann hast du nicht das Gefühl, dann selbstbestimmt reinzugehen. Und damit habe ich auch eine Brücke geschlagen bei diesem Gefühl zu diesem Faktor, den ich ursprünglich genannt habe, mit der Angst. Und das ist jetzt eine größere Thematik, die auch eine eigene Podcast-Folge und mehrere immer wieder mal aus unterschiedlichen Blickwinkeln sicherlich rechtfertigt. Hier möchte ich dazu sagen, dass es, wenn du eine lebende Angst hast, natürlich nicht so einfach funktioniert, nur weil ich dir gesagt habe, die Angst wird größer, sagst du dir, okay, also gehe ich jetzt rein und kein Problem.

So funktioniert das nicht, du hast ja diese lebende Angst. Das ist wirklich ein Punkt, den du irgendwie angehen möchtest, zu deinen Gunsten, für dich, weil alles andere eben an deiner Kraft der psychischen zehrt und nicht nur der psychischen. Wie du das jetzt genau machst, wie du diese Konfrontationsangst dann mit ihr umgehst, denn ob du sie überwinden wirst, ist die Frage, aber zumindest wie du mit ihr umgehst, das ist ein Thema, das ist jetzt für diese Folge viel zu groß, aber wir halten fest, das ist etwas, was es sich lohnt, separat anzugehen. Und natürlich gehen die Sachen auch Hand in Hand, je souveräner du dich fühlst, desto weniger wird unter Umständen dann auch deine Angst sein.

Allerdings, wenn du wartest, dass sie von allein nur deswegen weggeht, weil du jetzt mehr gelernt hast, fürchte ich, dass das nicht eintreffen wird. Okay, also wir halten fest, bei der Examensvorbereitung ist auch im Punkto wie lange will man lernen und üben auch gültig, nicht ist mehr unbedingt besser, sondern es gilt den goldenen Schnitt zu finden, den sweet spot, und wann der ist, abstrakt, ist er dann erreicht, wenn du die Zusammenhänge erkannt hast, überwiegend, nicht alle, ich habe auch nicht alle drauf, aber überwiegend, wenn du überwiegend erkannt hast, worum es geht, wie die Dinge zusammenhängen, und wenn du oft genug geübt hast und gut damit zurechtkommst, nicht immer, aber überwiegend, wenn mal eine unbekannte Konstellation abgefragt wird. Und zweitens solltest du aus Angst dich nicht anmelden, dass das ein Punkt ist, den du angehen möchtest, eine Baustelle ist, die du angehen möchtest, weil diese Angst nicht von alleine weggeht, auch nicht durch mehr Lernen, sie ist ein eigenständiger Faktor, und wenn sie lähmend ist, dann ist es ein Punkt, den du eingehen möchtest. Okay, das war diese Podcast-Folge, danke fürs Zuhören und ich würde mal sagen, bis nächste Woche!

🧐 Wie denkst du über das Thema, was sind deine Erfahrungen?

📫 Schreib mir, ich freue mich, von dir zu lesen!

🥳 Hat dir diese Folge und insbesondere die Art und Weise, wie ich an Jura rangehe, gefallen?

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🤫 Geheimtipp: Auf Notion habe ich einen juristischen Second Brain aufgestellt, den ich dir gern zur Verfügung stelle. Hier findest du Querverweise zwischen den Podcastfolgen nach Lust und Laune, aber auch die Querverbindungen zwischen den Themen, die ich im kostenpflichtigen Mitgliederbereich bereitstelle. Gern geschehen 😘!

 

Dr. iur. habil. Panajota Lakkis

Ehemalige Universitätsprofessorin & Prüferin. Ergo weiß ich genau, was du brauchst in deinem Jurastudium. In meinen Kursen lernst du, Jura zu verstehen. Im Podcast (Standorte im Player) und auch auf YouTube kannst du nach Lust und Laune stöbern. Du kannst auch mehr über mich erfahren. Oder ab und zu eine Mail mit juristischen und jurafreien Goodies erhalten.

Mein aktuelles Motto: Was wäre, wenn?

Meine Überzeugung: Jura macht ab dem Moment Freude, in dem du die Zusammenhänge verstehst.

Ich kann dir helfen, (wieder) Freude an Jura zu finden.

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